Russische Ikonen
des 16. bis 19. Jahrhunderts
Ein glücklicher Umstand brachte das Museum Burghalde in den Besitz der national bedeutenden Sammlung russischer Ikonen. Sie ist eine Schenkung von Prof. Dr. med. Urs Peter Haemmerli.
Der Schenker Urs Peter Haemmerli.
Der Schenker, Urs Peter Haemmerli, stammt aus einer alten Lenzburger Familie. Der Kontakt zwischen ihm und dem Museum wurde geknüpft, als seine Familie ein wertvolles und seltenes Möbel des Ebenisten Haemmerli in die Hände der Stiftung Museum Burghalde gab. 1998 entschied er sich, seine Sammlung russischer Ikonen dem Stadtmuseum zu schenken. Er erklärte sich zudem bereit, die baulichen Massnahmen zu finanzieren, damit die Sammlung öffentlich präsentiert werden kann.
Werke aus der Sammlung.
Urs Peter Haemmerli war fasziniert vom Wesen und Wirken dieser «Bilder der Seele». Er sammelte ein breites Spektrum an Themen: Zur Sammlung gehören Ikonen, die Christus, Maria und viele verschiedene Heilige sowie ihre spannenden Geschichten abbilden. Drei herausragende Werke sind die Vladimirskaja, die Gottesmutter des Erbarmens, dann das Mandylion, das Tuchbild des Erlösers, sowie die Vita-Ikone des Heiligen Nikolaus von Myra. Eine in Miniaturmalerei gestaltete Jahresikone fasst die Feste des Kirchenjahres in der Anordnung des Kalenders zusammen. Eine andere Ikone stellt äusserst lebendig die Geschehnisse beim Jüngsten Gericht dar.
Die Bedeutung einer Ikone.
Das Wort Ikone bedeutet allgemein «Bild» oder «Abbildung». Die Kunst der Ikonenmalerei hat ihren Ursprung im byzantinischen Reich des 6. und 7. Jahrhunderts. Ikonen stellten den wichtigsten Zweig der europäischen Tafelmalerei während fast einem Jahrtausend dar. In Russland übernahmen zahlreiche Schulen die byzantinische Formensprache und entwickelten einen eigenen Stil. Ikonen haben eine zentrale Bedeutung innerhalb des russisch-orthodoxen Glaubens. Ikonen sind wie ein Fenster zum Himmel. Sie erlaubt dem Gläubigen mit Christus, Maria und den Heiligen in Kontakt zu treten. Die meisten russischen Familien besitzen eine Ikone. Die vermittelt die Hilfe und den Schutz des dargestellten Heiligen für die Familienangehörigen.
Die Prozesse der Herstellung.
Die Herstellung einer Ikone ist sehr aufwendig. Alleine das Mischen der Farben dauert seine Zeit. Die traditionelle Technik der Ikonenmalerei ist das Tempera-Verfahren. Die Farben werden aus Naturpigmenten wie Lapislazuli, Ocker und Zinnober, Eigelb und einem Verdünnungsmittel, zum Beispiel Kvas oder Bier, gemischt. Die Naturfarben in Kombination mit dem Blattgold verleihen den Werken eine einzigartige Farbigkeit und Leuchtkraft. Die Malfarben besitzen eine grosse Symbolik. So reflektiert ein goldener Hintergrund den überirdischen Glanz des Himmels.
Eine Sammlung von nationaler Bedeutung.
Die Ikonensammlung von Urs Peter Haemmerli ist im Gewölbekeller des Museum Burghalde ausgestellt und hat damit ein stimmungsvolles Ausstellungsambiente erhalten. Es ist die grösste permanent ausgestellte Ikonensammlung in der Schweiz. Die Besichtigung ist während den regulären Öffnungszeiten des Museum möglich. Führungen für Gruppen und Schulklassen werden auch ausserhalb der regulären Öffnungszeiten auf Voranmeldung angeboten.




