Themenwege

Mit den thematischen Rundgängen richtet das Museum Burghalde die Aufmerksamkeit auf historische Persönlichkeiten und weitere Besonderheiten Lenzburgs.

Weitere Informationen zu den hier aufgeführten Themenwegen finden sich in der Dauerausstellung, in temporären Ausstellungen sowie in verfügbaren Publikationen. Das historische Ensemble des Burghaldenguts mit Gartenanlage und Museum ist dabei zugleich Ausgangspunkt und Wegstation.

Auf den Spuren der Hugenotten. Eine Kulturroute des Europarates

Vor 300 Jahren zogen über 60'000 Hugenotten durch die Schweiz. Sie wurden in ihrer Heimat Frankreich als Ketzer verfolgt. Bei Glaubensbrüdern in der Schweiz fanden sie Unterstützung. Einige durften sich dauerhaft niederlassen und brachten der Wirtschaft wichtige Impulse.

Als der Sonnenkönig Louis XIV. im Jahr 1685 den «ketzerischen» Protestantismus in Frankreich verbot und die reformierten Gläubigen systematisch verfolgen liess, flohen ungefähr 150'000 der sogenannten Hugenotten ins protestantische Ausland. Obwohl nur verhältnismässig wenige dauerhaft in der Schweiz ansässig wurden, prägten sie als oftmals fähige Geschäftsleute und Handwerker die Wirtschaft in ihrer neuen Heimat nachhaltig.

Im Aargau sind noch heute Zeugen der hugenottischen Geschichte erhalten. Im Rahmen des internationalen Hugenottenpfades präsentiert das Museum Burghalde den Stationenweg «Auf den Spuren der Hugenotten durch den Aargau». An Standorten in Schafisheim, Staufen und Lenzburg erfahren Interessierte Näheres zu hugenottischen Wohn- und Arbeitsstätten, Familienschicksalen wie auch zur damaligen Flüchtlingspolitik und deren Folgen. Im Schlössli Schafisheim und im Museum Burghalde zeigen zwei kleine Ausstellungen Objekte zur Hugenottenfamilie Brutel de la Rivière und zur berühmten hugenottischen Handwerkerkunst.

Der Themenweg folgt der damaligen Fluchtroute der Hugenotten aus Frankreich und führt zu verschiedenen Schauplätzen hugenottischer Geschichte in Schafisheim, Staufen und Lenzburg. Tafeln entlang des Weges informieren über hugenottische Wohn- und Arbeitsstätten, Familienschicksale wie auch über die damalige Flüchtlingspolitik und deren Folgen. Im Schlössli Schafisheim und im Museum Burghalde sind Bilder und Objekte zur Hugenottenfamilie Brutel de la Rivière und zur berühmten hugenottischen Handwerkerkunst präsentiert.

Für die Wanderung von Schafisheim über den Staufberg nach Lenzburg ist ein halber Tag einzurechnen.

Anreise zum Schlössli Schafisheim: ab Bahnhof Lenzburg Buslinie Richtung Bettwil. Fahrplan Regionalbus Lenzburg

Ein Projekt in Kooperation mit der Stiftung VIA. Detailliere Informationen zu den Hugenotten

Lenzburger Industriekultur

Wussten Sie, dass der Kanton Aargau von einer 300-jährigen Industriegeschichte geprägt ist? Zahlreiche Erfindungen von Weltruf wurden nämlich hier entwickelt. Zu nennen wäre etwa der Zuckerwürfel, die Velokette oder die Alufolie. Dass das Gebiet entlang des Aabachs mit 28 Unternehmungen überraschend viel Industriefirmen hervorbrachte, verblüfft.

Die Region zwischen Wildegg, Lenzburg und Hallwilersee war gar eine der Kernzonen der Industrialisierung. So hat sich in Lenzburg ein reiches industriekulturelles Erbe angesammelt. Als Gründungsmitglied des Vereins IndustrieWelt Aargau ist es dem Museum Burghalde ein Anliegen dieses Kulturgut zu pflegen und zu vermitteln.

Historisch zu grosser Bedeutung gelangte die Textilindustrie mit ihren mechanisierten Fabrikationsstätten sowie eine ganze Reihe weiterer Industrieunternehmen. Zu nennen wären die Wisa Gloria-Werke, die Konservenfabrik HERO, die Teigwarenfabrik Tommasini, die Waffenfabrik Hämmerli, die ehemalige Seilerwarenfabrik Mammut oder die Seifenfabrik Lenzburg.

Im Museum Burghalde werden Ihnen kurzweilig die Anfänge der Industrialisierung vorgestellt. Highlights sind bestimmt das Wisa Gloria-Karussel, die erste Erbsli-Konservendose (handsigniert von 1886) und die originalen Grafikentwürfe in den zahlreichen Schubladen. Zur frühen Industriegeschichte ist vor allem das bedeutende Geschlecht der Hünerwadel zu erwähnen. Verpassen Sie nicht den Besuch in der Dépendance Seifi. In der ehemaligen Savonnerie Lenzbourg werden themenspezifisch Sonderausstellung orchestriert. Aktuell Geschichte rund um Sauberkeit und Hygiene mit der Firmengeschichte der Seifi.

Zudem beginnt ein Lehrpfad beim Schloss Hallwyl und endet in Wildegg. Weitere Informationen bietet die Broschüre "Wandern und Spazieren im Seetal" oder die Website von Seetal Tourismus.

Sophie Haemmerli-Marti Trail



Sophie Haemmerli-Marti (1868-1942) zählt zweifellos zu den bedeutendsten Mundart-Schriftstellerinnen des Landes. Nach der Dichterin wurde in Lenzburg im Jahre 1966 eine Strasse benannt.

Wer kennt sie nicht, diese bildhaften, melodiösen, meisterhaft gedichteten Kinderlieder und Lebenssprüche? Kennen wir aber auch ihre Autorin Sophie Haemmerli Marti? Wer ist die Frau, die mit ihrem Prosa-Band 
„Mis Aargäu“ Massstäbe für vollendete Mundart-Dichtung geschaffen hat, und deren vertonte Kinder- und Muttergeschichten, etwa „Mis Chindli“, Eingang ins Volksliedgut gefunden haben? Die Dichterin ist nicht in Vergessenheit geraten, was in der Aktualität ihres literarischen Werks begründet liegt. Aus ihren Texten spricht das zentrale Thema des Menschseins: Die allumfassende Liebe, die sie in ihrem Alltag als Mutter, Ehefrau, Freundin und ebenso in der Natur und im Glauben lebte und poetisch verarbeitete.

Zum 150. Geburtstag der Schriftstellerin hat die Stiftung Museum Burghalde 2018 ein reichhaltiges Kulturprogramm in Zusammenarbeit mit Partnern aus Lenzburg und Othmarsingen initiiert. Über das Jubiläumsjahr hinaus sind mehrere Projekte von bleibendem Wert.

Das Jubiläums-Büchlein enthält eine kleine und feine Auswahl an Gedichten, Lebenssprüchen und Briefen. Die Briefwechsel mit den Zeitgenossen Frank Wedekind, Max Bircher, Carl Spitteler und Jost Winteler zeugen von ihrer engen Freundschaft und berichten von Sophies Leben in und um Lenzburg. Es eignet sich als Lebensbegleiter für einen selbst und als Geschenk – denn diese erhalten die Freundschaft.

Sophie Haemmerli-Marti hat einen festen Platz in der neuen Dauerausstellung des Museum Burghalde erhalten.

Die zur "Poesie-Kabine" umfunktionierte Telefonkabine ging in Lenzburg und Othmarsingen im Jubiläumsjahr auf Tour. Nun steht sie, frisch restauriert vor der Dépendance des Museums, der ehemaligen Seifenfabrik auf dem heutigen Seifi-Parkplatz.

Ihre Spuren in und um Lenzburg

  • Spuren finden wir in Othmarsingen mit dem Geburtshaus an der Lenzburgerstrasse 34 und dem alten Schulhaus (heute Gemeindekanzlei).
  • In Lenzburg erinnert das Doktorhaus an der Niederlenzerstrasse 34 (heute im Eigentum der Stadt) an das Wirken der Dichterin.
  • Beim Geburtshaus und beim Doktorhaus werden zusätzlich zu den heutigen einfachen Gedenktafeln Stelen angebracht, die über das Wirken und Leben von Sophie Haemmerli-Marti orientieren.
  • Einen Bezug zu ihr haben in Lenzburg ferner das KV-Schulhaus (seinerzeitiges Bezirksschulhaus),
  • das Schloss (Wohnsitz der Familie Wedekind)
  • und das Heumannhaus an der Schlossgasse 2 (erster ehelicher Wohnsitz; hier wurde „Mis Chindli“ vollendet.)
  • Schliesslich erinnert seit 1966 die Sophie Hämmerli-Strasse im Breitfeldquartier an die Dichterin.

Die Jubiläumspublikation "In Liebi & Fründschaft. Gedichte und Lebenssprüche 
von Sophie Haemmerli-Marti" zum 150 Jahr-Jubiläum 2018 wurde von der Stiftung Museum Burghalde herausgegeben. ISBN 978-3-03846-950-6. Zu beziehen im Museumsshop, im Buchhandel oder per Email.

Weiterführende Informationen zur Dichterin unter www.sophiehaemmerlimarti.ch

Werner Büchlys Wandmalereien

Der Lenzburger Künstler Werner Büchly (1871-1971) hinterliess über den Aargau hinaus mit seinen imposanten Wandgemälden ein beachtenswertes Werk. Alleine in Lenzburg zeugen mehrere Arbeiten heute noch von seinem Können.

Anlässlich des 150 Jahr-Jubiläums des Lenzburger Künstlers Werner Büchly richtet das Ikonenmuseum 2021 die Scheinwerfer auf seine grossen Bildthemen aus unserer Kultur- und Nationalgeschichte. Ikonenhaft prangen Vorbilder und Vorkämpfer an Wänden und Fassaden von Schulgebäuden, Krematorien, Villen und Stadthäusern.

Der in Vergessenheit geratene Werner Büchly hinterliess ein eindrückliches Werk. Büchly machte sich mit seinen herausragenden Anatomieskizzen während seiner zehnjährigen Tätigkeit an der Universität Basel einen Namen. Darauf folgten zahlreiche prestigeträchtige Aufträge. Seine Moralapostel, Glaubenskrieger und Propheten zieren Hallen und Fassaden von Schulhäusern, Sakralgebäuden und Villen weit über Lenzburg hinaus. Die Themen erzählen von Vorbildern und Vorkämpfern. Der Ausstellungskurator Dr. Marc Philip Seidel identifiziert für diesen Zeitgeist die geflügelten Worte „Hort der Freiheit“ und „Für das Leben lernen wir“. Die Inschriften bei Werken Büchlys verraten den Grundtenor der Hymne für ein freies Leben eine Dekade vor dem Zusammenbruch der alten Ordnung vor dem ersten Weltkrieg.

 Büchlys Werke erzählen die Geschichte von historischen Helden, Göttern und Persönlichkeiten wie etwa Pestalozzi, Tell, Winkelried, Zwingli, Georg der Drachentöter, tapferen Schweizer Fahnenträger, der Minnesänger Hadlaub und viele mehr. Seine Person und das Werk sind komplett aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden. Umso interessanter ist, dass gerade heute Vorbilder und Vorkämpfer gesucht sind – Vorläufer, an denen sich das Kollektiv der Gesellschaft orientieren kann.

Besonders schön ist die Auflösung des Krimis um den Klappaltar in der Sammlung des Museum Burghalde. Diese Arbeit aus den 1930er Jahren ist zum ersten Mal überhaupt in einer Ausstellung zu sehen.

Werke im öffentlichen Raum (Auswahl)

  • In Lenzburg ist das Schulhaus Angelrain mit den vier übergrossen Sgraffito-Bilder von Tell, Pestalozzi, Winkelried und Zwingli ein Besuch wert. Im Gebäude (nicht öffentlich) sind weitere hervorragend gestaltete Lunettenbilder der aufstrebenden Jugend (Sport, Musik, Kunst) sowie zum Wohl des jungen Schweizer Bundesstaates (Alpenmythos) gewidmet.
  • An der Poststrasse findet sich der "Fahnenträger".
  • Das grosse Sgraffito am Pestalozzi-Schulhaus in Birr (1906) befindet sich in unmittelbarer Nähe der Grabstätte des Pädagogen.
  • Die Krematorien in Aarau und Zürich (Friedhof Sihlfeld) sowie die dargestellten Propheten in der Kirche Othmarsingen stammen vom Lenzbürger Künstler.
  • Öffentlich zugänglich sind im Vindonissa-Museum Brugg die römischen Götterdarstellungen an den Säulenkapitellen im ersten Obergeschoss.
  • Einst befand sich am ehemaligen Büchly-Haus an der Seonerstrasse das Wandgemälde "Parzival" und stellte den Heroen auf seinem Pferd dar. In der einstigen Abdankungshalle auf dem Friedhof Lenzburg sowie an der ehemaligen Weinhandlung Büchly befanden sich weitere seiner Arbeiten. Für die Gestaltung der Wandbilder am neuen Landesmuseum und am Rathaus Rheinfelden belegte Büchly den zweiten Platz.

In der Sammlung des Museum Burghalde befinden sich zahlreiche Originalentwürfe. Weitere Informationen zur Ausstellung im Ikonenmuseum (2021). Anlässlich des Jubiläums erscheint eine Publikation. Erhältlich im Museumsshop oder im Buchhandel. (ab November 2021)

Gartenwege der Schweiz

Zwischen Aare und Seetal lässt sich eine Vielzahl von herausragenden Gartenanlagen ausmachen.

Geschichtlich lassen sie sich in den Zeitraum des Alten Aargau situieren. Kein Gebiet der Schweiz ist derart dicht mit Herrschaftsbauten, also Burgen  und Schlösser - mehrheitlich habsburgisch, bebaut. Die schlossnahe Landschaft wurde schon im 18. Jahrhundert mit Flanier- und Fahrwegen sowie herrlichen Aussichtspunkten angereichert - Parallel zur Bewegung, des englischen Landschaftsgartens (engl. ornamental farm / frz. ferme ornée). Die Zeit gilt als Blütezeit der stadtnahen Landsitze vermögender Vertreter der Oberschicht mit dem Wunsch dem patrizischen Lebensstil fröhnen. Das Burghaldengut wurde wie etwa auch das Brutelgut in Schafisheim oder das Schlössligut in Ennetbaden auf bestehenden landwirtschaftlichen Gütern errichtet.

Auf der Domäne Burghalde werden das Repräsentationsbedürfnisses und die gesellschaftlicher Stellung durch die Gartenarchitektur offenbar. Bereits mit der imposanten Vorhofzone sollten Gäste und Passanten von der Bedeutung der Besitzer und Bewohner überzeugt werden. Die eindrucksvolle Inszenierung gleicht einem bewusst konzipierten Bühnenbild, das sich mit dem reich verzierten Eingangsportal auftut.

Das doppelflüglige schmiedeiserne Eingangsportal (1795) ist mit Gartenurnen auf hohen Postamenten und seitlichen Ziergittern flankiert. Das Tor ist ein Werk des Lenzburgers Schlossers Friedrich Rohr und gehört zu den schönsten derartigen Arbeiten im Aargau.

Die Toranlage, der Eingangshof und um ein Stockwerk erhöhte Haus liegen auf einer zentralen Achse. Im Eingangshof fällt der Blick zuerst auf das grosse vorgelagerte Wasserbassin mit zwei Fontänen. Es wurde nachträglich im Jahr 1953 zum 50 Jahrjubiläum der Städtischen Werke Lenzburg (heute SWL Energie AG) als Geschenk an die Stadt eingeweiht.

Der Rundgang führt in die seitlich und über dem Haus liegende Gartenanlage im Landschaftsgartenstil aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Dem baulichen Ensemble mit der neuen und der alten Burghalde lassen sich mehrere Architekturstile (spägotisch, barock, klassizistisch) aus 400 Jahren ablesen. Im Museum Burghalde, 1985 in die sogenannte alte Burghalde verlegt, werden die ehemaligen Bewohner kurzweilig vorgestellt. Im Herbst 2018 wurde die Dauerausstellung vollständig neu inszeniert und interaktiv gestaltet.

Der gesamte Rundgang sowie weitere Informationen zum Gartenweg finden sich in der Publikation "Gartenwege der Schweiz. Schlossgärten zwischen Aare und Seetal – Ausflüge in den Alten Aargau", herausgegeben von ICOMOS Suisse im Gartenjahr 2016. ISBN 978-3-03919-376-9.

www.gartenwege-der-schweiz.ch