Ausgegraben

Hier schreiben Museumsmitarbeitende über originelle Fundstücke aus Estrich, Keller und Erde.

Die Kolumne im Lenzburger BezirksAnzeiger erscheint ab August 2020 jeweils in der ersten Ausgabe des Monats.

Knochen im Museum (Kolumne 2)

Eine Mischung aus Faszination und Schauder ist in den Gesichtern der Kinder zu erkennen, als ich ihnen erzähle, dass sich im nächsten Ausstellungsraum echte Menschenknochen befinden. Genauer gesagt, ein ganzer Friedhof... Weiterlesen

Das jungsteinzeitliche Gräberfeld vom Goffersberg ist in der Dauerausstellung des Museums Burghalde zu sehen. Am Sonntag, 25. Oktober, um 16 Uhr findet am Entdeckungsort der Gräber – 500 Meter vom Museum entfernt – die Einweihung der neuen Geländetafel statt.

Text: Rebecca Nobel vom 01.10.2020 für Lenzburger BezirksAnzeiger

Was für ein Theater (Kolumne 1)

Eine Abhandlung über Glas liesse sich auf ganz unterschiedliche Weise beginnen. Beispielsweise, dass Glas zu rund 10 Prozent aus Kalk, zu 20 Prozent aus Soda und zum grossen Rest aus Sand besteht.

Sand? Das lässt im Sommer vor allem an herrliche Strände denken – gerade, da barfuss laufen im Meeressand für die meisten eher eine Träumerei als Realität bleiben wird.

Doch die Wahrscheinlichkeit, hierzulande baren Fusses in eine Scherbe zu treten, dürfte ähnlich hoch sein wie auf einer Ferieninsel. Der herrliche Sommertag wäre also so oder so gehörig vermiest. Lieber geniessen die Daheimgebliebenen das Seetal und trinken einen kräftigen Schluck des köstlich kühlen Biers aus der Flasche.

Die Römer, die im Lindfeld vor fast 2000 Jahren lebten, tranken zwar noch kein Flaschenbier, für Glas hatten sie allerdings auch sonst reichlich Verwendung. Die Tatsache, dass eher wenig davon bis heute überdauert hat, ist übrigens dem Umstand geschuldet, dass auch die Römer schon Recycling betrieben. Glücklicherweise waren Gläser damals auch eine beliebte Grabbeigabe, sodass sich die Ausgräber und Museumsgäste auch heute noch an der Vielfalt von Formen und Farben antiker Gläser erfreuen können.

Das lateinische Wort für Sand lautet übrigens «arena». In Lenzburg gibt es zwar keine Arena wie in Rom, sehr wohl aber ein ansehnliches szenisches Theater. Also keine weiteren Träumereien von weissen Stränden. Das römische Theater ist immer einen Besuch wert. Mit 4000 (!) Sitzplätzen sollte auch das Abstandhalten in dem halbrunden Bau kein Problem sein.

Das römische Theater ist öffentlich zugänglich. Glasfunde aus der Römerzeit und anderen Epochen gibts im Museum Burghalde Lenzburg.


Bild: Arena für 4000 Besucher: Modell des römischen Theaters in Lenzburg. Sammlung Museum Burghalde Lenzburg
Text: Rebecca Nobel vom 03.09.2020 für Lenzburger BezirksAnzeiger